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Archive for Juli 2016

Coming Out

Seit Tagen und Wochen wälze ich Worte und Phrasen, drehe sie hin und her,wende sie,knete sie, bis sie unkenntlich und grau vor mir liegen,und wieder eingestampft werden.
Selten war ich so um Worte verlegen.
Selten war das Schweigen so hartnäckig.
Und doch- etwas drängt ans Tageslicht.

Ein Bekenntnis.
Neue, alte Träume.
Spinnwebzart. Urgewaltig.
Weibsbildträume. Frauendinge. Ahninnengewisper.
Erschüttern meine Sicht der Dinge.
Schneiden leise und sachte das Bild meiner selbst als
Frau dieser Zeit in herbstbunte Schnipsel,
die ein leiser Wind zerstreut.

Mir wird es leicht ums Herz.
Ich hab aufgehört zu müssen.
Habe aufgehört, erfolgreich sein zu müssen,
habe aufgehört, hart sein zu müssen.
Muss nicht mehr kämpfen, oder Erwartungen erfüllen.
Nehme mir Freiheiten, die bisher in meiner Welt nicht vorkamen.

Kleine, zarte Alltagsfreiheiten,
die glitzern wie bunte Kiesel am Strand eines Sees.

Will helle Räume schaffen,bunte Bilder an die Wände zaubern,
will Zeit und Muße haben,
will durch den Wald trullern und Schnecken zählen,
will Apfelkuchen am Mittwoch backen, will kleine klebrige Pfoten in meiner Hand spüren,
will erste Schritte begleiten, will Teenieliebeskummer trösten,
will streiten und trösten und zuhören und rumbrüllen, wenn keiner den Müll rausträgt,
will den Kreis halten,
will blutige Knie verarzten,
will Salat pflanzen und Entenküken großziehen,
will vor dem Schlafengehen Kerzen entzünden und Lieder singen,
will Feste feiern und Feuer hüten,
will wissen, wo den Meinen der Schuh drückt und was schön war an diesem Sommerregentag.

Das ist mein Leben, mein Clan.

Und so dreht sich, wandelt sich mein Blick,
Stück für Stück, Träne um Träne.
Ich höre auf, mich zu schämen.
Für meine Art, Frau zu sein.
Für meine Art, Mutter zu sein.
Für mein „nur“ zuhause sein.
Dafür, dass ich, wenn ich ehrlich bin, genau hier sein will,
und nicht mehr an der Uni,im Büro,nicht mal auf dem Reitplatz.

Langsam hebt sich mein Blick und ich sehe Dir in die Augen.
Ja, das bin ich.
Vielleicht unpopulär.
Vielleicht nicht das, was meine Familie oder „die Gesellschaft“ erwartet hat.
Aber ich wage zum ersten Mal den Versuch, stolz auf diese Frau zu sein.
Und das- fühlt sich verdammt richtig an.

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