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Archive for April 2014

Spuren

    Ich weiß, dass Ihr da seid.
    Ich sehe Euch in meiner Statistik, zarte Spuren heimlicher Besucher, wie die zierlichen Pfotenabdrücke einer Maus im Staub.
    Ich erfreue mich an Euren leisen Besuchen.
    Ihr nährt meine Fantasie.
    Ihr schenkt mir eine vage Idee davon, dass das Netz lebt, und sich sogar ab und zu jemand in diesen gottverlassenen Winkel meiner Wortprovinz verirrt.
    Wer mag das gewesen sein, der Klick aus Brasilien?
    Wer liest diesen Blog in der Schweiz?
    Ich male mir Geschichten aus, über Euch, Ihr stillen Leser.
    Ihr seid inkognito hier, unsichtbar, verborgen hinter Euren schweigenden Masken, und es bleibt mir überlassen, mir Eure Gesichter dahinter vorzustellen.
    Sitzt Du gähnend mit einer dampfenden Tasse Kaffee vor dem Rechner, mit Blick auf den Zuckerhut,erschöpft vom Lärm der großen Stadt, oder lebst Du auf einer Rinderfarm, und gönnst Dir abends, bevor Du mit dem Kopf auf der Tastatur einnickst, einen Blick in die entlegene Welt?
    Wie lebt es sich in Dänemark?
    Kannst Du das Meer sehen?
    Hast Du einen Traum?
    Was interessiert Dich an diesem Blog? Haben wir uns jemals getroffen? Bist Du ein Mensch der gerne lacht, redest Du gerne laut, bist Du um Mitternacht wach?
    Wo bist du? Warum besuchst Du mich hier, an diesem einsamen Ort?
    Berühren Dich meine Worte?
    Schrecken sie dich ab?
    Was suchst Du, hier draußen am Ende des Netzes?
    Ablenkung, Zerstreuung, Gleichgesinnte, Abhilfe gegen Langeweile, ein bißchen Lebendigkeit?
    Vielleicht bist Du ein einsamer Jäger und eilst Worten, Sätzen, hinterher, in der Hoffnung, den Funken zu nähren, der Dich endlich lebendig macht?
    Wieso bist Du hier?
    Liest Du gelangweilt,empört,entzückt, klickst Du gleich weiter, oder verweilst Du ein wenig bei den Worten…was treibt Dich an, in Deinem fernen Leben?
    Das Netz bleibt verborgen. Vielleicht seid Ihr auch nur Geister, oder etwas wie Viren, eingeloggt in mein System, vielleicht nur ein Trick…seid nur Nullen und Einsen, grau und tot, nur geschaffen, damit ich weiterschreibe, gefangen in meiner dummen, menschlichen Eitelkeit, und dem Traum von Verbundenheit, eine Fliege im Netz, das sich nährt von Menschen wie mir.
    Vielleicht schleudere ich meine Texte hinaus in einen menschenleeren Raum, in den einsamen Äther des unendlich stillen Alls.
    Vielleicht ist da gar niemand, mit dem ich meine Worte teile…vielleicht ist da nur gleichgültiges Schweigen.
    Aber wenn schon…ich höre nicht auf, mir Eure Gesichter in allen Farben des Lebens zu malen.
    Ihr seid vielleicht unsichtbar, aber Eure Spuren berühren mich.
    In meiner Vorstellung werden daraus die unterschiedlichsten Menschen, die sich am anderen Ende der Welt die Zeit nehmen, meine Worte in ihren Kopf zu lassen.
    Vielleicht begleiten sie dich ja einen Tag.
    Vielleicht nerven sie dich.
    Vielleicht sind sie dir egal.
    Vielleicht schenkst Du sie weiter.
    Vielleicht bewegst du sie ein bißchen hin und her, und hast deine eigenen Gedanken dazu.
    Was auch immer du damit tust.
    Du warst hier. Zumindest in meiner Vorstellung.
    Dadurch sind wir verbunden.
    Ich lese Deinen Spuren, und sie verwandeln sich in dramatische, leise, fröhliche und belanglose Geschichten.So oder so.
    INSPIRIERST. DU. MICH.
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